|
|
IBM/Lotus Domino oder MS ExchangeWas ist die bessere
Wahl?
Unternehmen entscheiden sich in der Mehrheit für eine
der beiden Messaging-Plattformen. Vor die Wahl gestellt
fragen sich die Verantwortlichen: Was ist die bessere
Wahl für mein Unternehmen? Denn eines ist klar: Stärken
und Schwächen haben beide Systeme.
Soll in einem Unternehmen eine neue und einheitliche
Messaging Plattform eingeführt werden, so stellt sich
meistens die Frage: IBM/Lotus Notes oder MS Exchange?
Die Diskussion um diese Frage ist in regelmäßigen
Abständen in der Computerfachpresse zu finden. Ebenso
regelmäßig sind die entsprechenden Marketingkämpfe
zwischen IBM/Lotus und Microsoft zu beobachten.
Die Gründe die für das eine oder das andere System
sprechen sind vielfältig: Teilweise basieren diese auf
harten Fakten, wie Kosten, Sicherheit, Stabilität,
teilweise finden sich diese aber ebenso im menschlichen
Bereich (Look and Feel der Anwendung, generelle
Abneigung gegen einen Anbieter).
Auch sind die Beweggründe für die Einführung einer
Messaging-Plattform unterschiedlich. Die Gründe reichen
von einer noch nicht vorhandenen bzw. gewachsenen
Infrastruktur, wie z.B. bei Startup Unternehmen, bis hin
zu einer Vereinheitlichung der gesamten
historisch-gewachsenen IT-Struktur. Bevor eine
endgültige Entscheidung fällt, gilt es eine komplette
Bestandsaufnahme der aktuellen Situation durchzuführen
und Kriterien für eine Auswahl zu definieren. Dabei gibt
es durchaus „Killkriterien“, die entweder das eine oder
das andere System aus dem Entscheidungsprozess
ausscheiden lassen.
Bestandsaufnahme
Die Frage: „IBM/Lotus Notes oder MS Exchange?“ kann
jedoch nicht unabhängig von der gesamten
IT-Infrastruktur gesehen werden. Dabei ist eine genaue
Analyse besonders wichtig, wenn eventuell bereits beide
Systeme vorhanden sind. Hier nur einige der Fragen, die
sich ein IT-Verantwortlicher in diesem Zusammenhang
stellen sollte:
1.
Welche Betriebsysteme gibt es?
2.
Welche Datenleitungen sind vorhanden?
3.
Existiert die notwendige Windows 2000 oder
Windows 2003-Active Directory-Domäne
für einen Einsatz von Exchange?
Bei
Firmenübernahmen kommt es vor, dass IBM/Lotus Notes
nicht nur als Messaging Plattform sondern darauf
aufbauende CRM,- Helpdesk-Applikationen im Einsatz sind.
Hier muss genau analysiert werden, ob diese
Applikationen überhaupt zu ersetzen sind und wenn ja mit
welchem Aufwand. Dieser Faktor wird umso wichtiger je
mehr Anwender bereits mit Notes-Applikationen arbeiten
und diese im Falle einer Migration umgestellt werden
müssen.
Auswahlkriterien
Für die Auswahl einer Plattform können folgende
Kriterien herangezogen werden:
1.
Gibt es eine strategische Ausrichtung beim
Server-Betriebsystem?
2.
Wie
sehen Ausfallsicherheit, Skalierbarkeit und
Recovery-Szenarien aus?
3.
Benötigt das Unternehmen Offline-Funktionalitäten und
weitreichende Workflows?
4.
Welche Sicherheitsrichtlinien gilt es zu beachten?
5.
Welche Kosten für Hardware, Software und Schulungen
entstehen für das Unternehmen?
6.
Wie
zukunftssicher ist die Investition, d.h. welches
Weiterentwicklungspotenzial ist vorhanden?
7.
Kann das eingesetzte System an die Software von
Drittanbietern (z.B. Archivhersteller)
angebunden werden und wenn ja, wie?
Technische Betrachtung
Ein genauer Vergleich beider Systeme, aufgrund
technischer Details, ist schwierig. Für den
IT-Verantwortlichen sind daher die Punkte
Betriebssystem, Skalierbarkeit, Ausfallsicherheit und
Recovery von Interesse. Darüber hinaus ist die
Integration in die gesamte Umgebung, hinsichtlich der
Benutzerverwaltung, ein bedeutender Kriterienpunkt für
den technischen Vergleich.
Bei der Auswahl der zur Verfügung stehenden
Betriebsysteme ist der IBM/Lotus Dominoserver klar im
Vorteil. Denn eine auf MS Exchange basierende
Infrastruktur setzt eine Windows-Plattform voraus. Im
Gegensatz zum Exchange-Server läuft ein Domino-Server
auf nahezu jeder Plattform, mit fast jeder CPU.
Die in diesem Zusammenhang oft diskutierte Frage, ob ein
Windows- oder Linux-basierter Server die bessere Wahl
ist, kann im Bereich der Philosophie angesiedelt werden.
Eine klare Antwort aufgrund fundierter Daten gibt es
darauf jedoch nicht. Sicher ist aber, dass der
Domino-Server auf beiden Betriebsystemen gleich stabil
läuft.
Neben diesen Faktoren spielt aus technischer Sicht die
Skalierbarkeit und Ausfallsicherheit der beiden Systeme
eine Rolle. Im Gegensatz zur aktiv/passiv
Cluster-Architektur unterstützt IBM/Lotus Domino aktiv/aktiv-Cluster.
Bedingt durch diese Architektur ist es möglich eine
Lastverteilung durchzuführen. Überschreitet die Anzahl
der Benutzer einen bestimmten Schwellwert, werden sie
auf den zweiten Server umgeleitet. Ebenso spielen die
Recovery-Szenarien für den IT-Verantwortlichen eine
entscheidende Rolle. War hier früher der Domino-Server
durch seine „eine Mailbox pro User“ Architektur
gegenüber dem Exchange-Server im Vorteil, so verringert
sich dieser Unterschied mit dem in Exchange 20003
eingeführten Recoverystore. Jetzt ist es auch hier
möglich die Mailbox eines einzelnen Users
wiederherzustellen.
In Zukunft werden immer höhere Anforderungen an die
Benutzerverwaltung gestellt. War es vor Jahren üblich,
dass für jedes System ein separater Benutzername und ein
separates Kennwort existierten, geht die Entwicklung
heute in Richtung „SingleSignOn“. So war z.B. der
Exchange-Server durch die Integration ins
Active-Directory im Vorteil, aber dann hat IBM/Lotus mit
der im Release 6 eingeführten Synchronisation mit dem
Active-Directory aufgeholt. Neben seiner Funktion als
Messaging-Server hat der Domino-Server noch zusätzliche
Dienste wie z.B. Datenbankserver und Webserver.
Bei einem Einsatz als Datenbankserver hebt sich der
IBM/Lotus Domino-Server vom MS Exchange-Server deutlich
ab. Es ist relativ einfach für Domino Datenbanken mit
den gewünschten Funktionalitäten zu entwickeln und auch
Änderungen sind ebenso schnell implementiert (Rapid
Application Development). Unternehmen die sich erst seit
kurzem mit IBM/Lotus Domino beschäftigen und im ersten
Schritt nur die Messaging-Infrastruktur benutzen, stehen
bereits bei der Standardinstallation mehrere Schablonen
bereit aus denen einfach und schnell
Anwendungsdatenbanken (z.B. ein Teamroom für
Projektteams, Diskussionsdatenbanken, etc) erstellt
werden können. Die Vorteile von IBM/Lotus Domino werden
dabei auf schnelle und kostengünstige Weise praktiziert.
Eine der unbestrittenen Stärken von IBM/Lotus Notes ist
die Offline-Verfügbarkeit der Applikationen. Hier
erlaubt der IBM/Lotus Notes Client das Offline-Arbeiten
mit den verschiedensten Applikationen ebenso, wie den
Remotezugriff auf den Dominoserver und vor allem durch
die Replikation das Abgleichen der Daten. Besonders
hervorzuheben ist die Tatsache, dass neben Daten auch
Design-Elemente, die entsprechenden Rechte
vorausgesetzt, abgeglichen werden. Dadurch ist es auf
eine sehr einfache Weise möglich, geänderten
Programmcode zu verteilen. Eine derartige Applikation
ist durch einen Exchange-Server nicht vorhanden, denn
sie wird in einem reinen Microsoft-Umfeld eher mit einem
herkömmlichen RDBMS und weiteren Programmiersprachen
erstellt. Erfahrungswerte zeigen allerdings, dass eine
solche Entwicklung, im Vergleich zu einer Notesbasierten
Lösung, etwa den dreifachen Aufwand erfordern.
Ebenso spielt die Frage der Sicherheit eine zunehmende
Rolle bei einer Entscheidung. Während Outlook immer
wieder von Viren heimgesucht wird, bringt hier ein
richtig konfigurierter IBM/Lotus Domino-Server deutliche
Vorteile mit sich, da die Ausführung vieler dieser Viren
bereits durch Standardsicherheitseinstellungen
verhindert wird. Im Falle eines Einsatzes von MS
Exchange ist hier die Verwendung von Drittprodukten
notwendig.
Kosten
Ein wichtiges Kriterium zur Entscheidungsfindung ist
der Lizenzpreis. Dabei ist es gleich für welches System
man sich entscheidet, da die Preise annähernd gleich
sind. Aufgrund der ständigen Bewegung in der
Lizenzpolitik, kann dieses Kriterium fast vernachlässigt
werden. In diesem Zusammenhang sind eher die
Anschaffungskosten für eventuell notwendige neue
Hardware zu berücksichtigen. Hinzu kommen eventuell
Kosten für zusätzliche Datenbanksysteme und
Entwicklungstools, die für die Entwicklung von
Applikationen notwendig sind.
Look&Feel
Die Tatsache, dass Outlook durch das ähnliche Look&Feel,
wie es im frei erhältlichen Outlook Express gegeben ist,
im Vorteil ist, ist bisher umstritten. Viele Mitarbeiter
nutzen auch privat Outlook für die Abwicklung ihrer
persönlichen Mails und sind deshalb mit der Oberfläche
bereits vertraut. Diese Argumentation ist jedoch
lediglich für Unternehmen interessant, die noch nichts
mit IBM/Lotus Notes zu tun gehabt haben und vor einem
Einstieg stehen. In Unternehmen in denen bereits damit
gearbeitet wurde, stellt sich diese Frage nicht.
Betrachtet man die grundlegenden Funktionalitäten im
Bereich Mail und Kalender, so ist keines der beiden
Systeme im Vorteil.
Zukunftssicherheit
Beide Systeme, IBM/Lotus Domino und MS Exchange, werden
auch in der Zukunft existieren. Nach einigen
Verunsicherungen im Markt, die durch unglückliche
Marketing-Aktionen der IBM entstanden sind, hat sich
mittlerweile eine ganz klare Strategie entwickelt. So
wird der Notesclient in Zukunft auf JAVA-basierenden
Applets und mit neuer Technologie geschrieben (Eclipse).
Durch diese Verwendung soll auch der Notes-Client noch
plattformunabhängiger werden. Im Gegensatz dazu gibt es
bei Microsoft nur einen Messaging Server der auch nur
auf einem Betriebsystem laufen wird. Die kontinuierliche
Weiterentwicklung ist hier ebenfalls gesichert.
Fazit
Beide Systeme haben Ihre Vor- und Nachteile. Die
Entscheidung für eines der beiden Systeme hängt von
vielen unternehmensspezifischen Faktoren ab. Der wahre
Wettstreit zwischen Lotus und Microsoft findet auch
nicht mehr allein im Bereich der E-Mail- oder der
Kalender-Funktionen statt, sondern wird jetzt in
Entwicklungsumgebungen ausgefochten, in denen
Mitarbeiter auf Projektebene zusammenarbeiten können,
wie z.B. SharePoint von Microsoft, QuickPlace und
Sametime von Lotus. Ebenso ringen im Bereich der
schnelleren Anwendungsentwicklung die beiden
Softwarehersteller um die Gunst der Kunden, die mit den
Angeboten individuell konzipierte Anwendungen zur
Zusammenarbeit für ihre Mitarbeiter erstellen können.
Autor: Michael Flegel, Geschäftsführender Gesellschafter
der
H&S Heilig und Schubert InformationsManagement GmbH
Schwabach bei Nürnberg
‹‹
zurück...
|